2500 Baden

Weikersdorfer Platz 1

Unsere Schätze

Unsere Schätze

Sammeln und Staunen

Das Rollettkabinett. Die „Wunderkammer“ des Badener Arztes Anton Rollett (1778-1842) gibt Einblick in die exzessive Sammellust und den Wissensdurst des 19. Jahrhunderts. Im Kleinen eröffnet sich eine ganze Welt wertvoller und nicht minder kurioser Schätze: als Bücher getarnte Pflanzenkästen, Schneckenkönige und Apothekenkrokodile, eine altägyptische Mumie oder die von Zeitgenossen als besonders „exotisch“ empfundenen Souvenirs der Weltreise des Josef Frh. von Doblhoff.

Was es sonst zu sehen gibt: eine Reiseapotheke im Miniaturformat, eine 24-bändige „Sammlung weiblicher Handarbeiten“, eine altrömische Amphore, Anton Rolletts Schreibtisch mit Geheimfach, eine Rose aus dem Garten des Erzherzog Carl.

 

Unheimliche Gefilde

Die Gall’sche Schädelsammlung. Die Schädel- und Büstensammlung des Rollettmuseums beherbergt die Überreste der Forschungen des Arztes Franz Joseph Gall (1758-1828). Durch eine Fehldeutung erlangte seine Lehre über das Gehirn fragwürdigen Ruhm, er selbst wurde zum gefeierten Popstar. Der Hype ging so weit, dass europäische Zeitungen nach seinen Vorträgen von regelrechten „Schädelepidemien“ berichteten. Später wurde die morbide Sammlung durch Anton Rollett um eine Kollektion von Körperabdrücken erweitert, darunter eine Lebendmaske Napoleon Bonapartes.

Was es sonst zu sehen gibt: über 200 Totenköpfe und Büsten, Wachsnachbildungen menschlicher und tierischer Gehirne in Originalgröße, Ferdinand Raimunds abgegossene Schädeldecke, eine Replik von Marie Antoinettes Hand, einen Eisbärschädel.

 

Frühe Geschichte – Jungsteinzeit, Metallzeiten, römisches Baden

Alte Bekannte. Ein funktionaler Hammer, ein zarter Kupferhalsreif oder der vertraut wirkende Klang einer Knochenflöte – die jungsteinzeitlichen Fundstücke aus Badens frühester Besiedelungszeit vor etwa 5000 Jahren vermögen zu erklären, warum uralte Geschichte Menschen heute noch fasziniert: weil wir uns in ihr wiederfinden, wenn wir einen genaueren Blick wagen.

Was es sonst zu sehen gibt: die modischen Gefäße der jungsteinzeitlichen „Badener Kultur“, steinerne Waffen und Werkzeuge, Wildkatzen, Webgewichte aus der Hallstattzeit, eine römische Fußbodenheizung, den polychromen Grabstein eines römischen Legionärs, Keramiken aus Gallien.

 

Mittelalter

Burgen, Mauern und Schlupflöcher. 1480 erhob Kaiser Friedrich III Baden vom Dorf zur Stadt. Damit ging die Berechtigung zum Bau einer Stadtmauer einher, deren sechs Tore nachts aus Sicherheitsgründen verschlossen wurden. Die meisten Heurigenbetriebe waren außerhalb der Mauer angesiedelt. Damit die Badener*innen trotzdem weiterhin dem Weingenuss frönen konnten, wurde kurzerhand ein zusätzliches, geheimes Tor eingebaut, das seinem Namen alle Ehre machte: das berühmte Lumpentürl. Ein gläserner „Schnapshund“ lässt vermuten, dass der Alkoholkonsum bereits in Zeiten der großen Ritterburgen eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben muss – lediglich zum Aufwärmen an kalten Wintertagen, versteht sich. Die beheizte Kemenate durfte schließlich nur von Frauen und Kindern benutzt werden…

Was es sonst zu sehen gibt: das hölzerne Stadtmodell von 1900, steinerne Kanonenkugeln, Skelettfunde aus dem Massengrab in der Erzherzogin Isabelle-Straße, Wappen und Siegel, die Feuerfahne des Badener Turmwächters, ein Modell der Höhenburg Rauheneck.

 

Stationen der Geschichte Badens

Schwierige Zeiten. Dass eine Stadterhebung nicht nur Vorteile mit sich brachte, sondern auch Angriffsfläche bot, zeigen Dokumente und Artefakte diverser Kriege, Seuchen und Brände, mit denen Baden zwischen 1500 und 1800 zu kämpfen hatte. Grob gesprochen hatte jede Generation mindestens einmal alles verloren. Dem letzten großflächigen Feuer von 1812 „verdankt“ die Innenstadt übrigens ihr gleichförmig biedermeierliches Aussehen…

Beim Ausstellungsraum handelt es sich um den ehemaligen Sitzungssaal des Rathauses der Gemeinde Weikersdorf, ab 1912 Stadtteil von Baden.

Was es sonst zu sehen gibt: die Stadterhebungsurkunde von Kaiser Friedrich III (Replik), manipulierbare Pfennige, eine alte Semmel aus napoleonischer Zeit, Hellebarden, die einzig erhaltene Lebendbüste Wolfgang Amadeus Mozarts.

 

Quellen und Bäder – der Kurort Baden

Gesundheitscheck anno dazumal. Fuhr man im 19. Jahrhundert auf Kur, unterzog man sich naturgemäß einer ärztlichen Untersuchung. Die Angabe des eigenen Körpergewichts muss schon damals als schamvolle Angelegenheit wahrgenommen worden sein. Wieso sonst hätte man eine Waage mit spiegelverkehrtem Ziffernblatt – sozusagen „mit eingebautem Datenschutz“ – erfunden? Zugleich brachte der Kurbetrieb aber auch Apparaturen zur Förderung eines positiven Körperbewusstseins hervor, etwa eine Unterwasser-Version des heutigen Hometrainers…

Was es sonst zu sehen gibt: Pläne und Grafiken der Badener Quellen und Thermen, einen historischen Rollstuhl, Arzneimittel vergangener Epochen, das für Kaiserin Maria Theresia zu „obszöne“ Stadtwappen.

 

Biedermeier

Reich & Schön. Zur Regierungszeit Kaiser Franz I florierte die Badener Sommerfrische. Es galt, zu sehen und gesehen zu werden. Pläne prachtvoll ausgebauter Parks und Gärten, Gemälde von Frauen in üppigen Kleidern nach der neusten Mode und allerhand kunstvoll-kitschiger Nippes zeugen noch heute von der biedermeierlichen Dekadenz der wohlhabenden Schichten des beginnenden 19. Jahrhunderts.

Was es sonst zu sehen gibt: ein Diorama des Schloss Weilburg, Anton Rolletts überdimensionalen Insektenkasten, ein verspieltes Nagel-Set aus Perlmutt, Porzellan-Souvenirs mit Badener Motiven, einen multifunktionalen Bügeltisch.

 

Weinbau

Beim Heurigen. Der Wein hatte schon immer große Bedeutung in Baden. Dieser kleine Raum geht auf eine Schenkung von Frau Magda Riedl (1996) zurück und gibt eine umfassende Dokumentation des Lebens der Großeltern- und Urgroßelterngeneration der Badener Winzer. Keine archäologische Sensation, doch ein berührender Einblick in das Leben unserer Vorfahren.

Was es sonst zu sehen gibt: ein keltisches Rebmesser aus Eisen und die „älteste Weingartenjause Badens“, ein in den Weingärten wiederentdecktes Geschirr, an die 400 Jahre alt.

 

Gesellschaft im Wandel. Baden in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts

Vom Rauchen und Spucken und … – der Operette. Mit dem Wandel von einem adeligen zu einem zunehmend bürgerlichen Kurpublikum, veränderte sich auch die kulturelle und industrielle Landschaft Badens: Weichselplantagen zur Anfertigung von Pfeifen wurden angelegt, der Bahnhof ausgebaut und sogar eine Automobilfabrik betrieben. Operette und Walzer feierten ihre Blüte. Man munkelt gar, eines der Erfolgsgeheimnisse der neu errichteten Sommerarena sei das aufgehobene Rauchverbot gewesen – offenbar ein Anreiz für viele Männer, ihre Gattinnen zum Theaterabend zu begleiten… Der Tabak wurde übrigens nicht nur geraucht, sondern auch gekaut. Ein historischer Spucknapf zeugt heute noch von dieser eigentümlichen Körpertechnik.

Was es sonst zu sehen gibt: die Bajonette und Säbel der kaisertreuen Nationalgarde, ein Modell des Schlosses Gutenbrunn, Notenblätter berühmter Badener Kompositionen.

 

Ereignisse bis 1945

Geschichte in Bildern. Zwei Gemälde mit Darstellungen der beiden Weltkriege bilden eine Klammer für die prägenden Kriegsereignisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1917 verlegte Kaiser Karl das Armeeoberkommando von Teschen nach Baden. Die damit verbundene Hoffnung auf einen möglichen Friedensschluss interpretierte der Maler Carl Probst, indem er Kaiser Karl und den preußischen Kaiser Wilhelm II mit vertauschten Uniformen abbildete. Das düstere Gemälde von 1945 lässt nur mehr wenig Spielraum für Zuversicht: Rauch und Flammen steigen über Badens Gassen empor, der Himmel ist bedrohlich rot verfärbt. Bis 1955 war Baden Teil der sowjetischen Besatzungszone.

Was es sonst zu sehen gibt: ein „Doppelbildnis“ von Adolf Hitler und Andreas Hofer, Artefakte der sowjetischen Besatzungsmacht, ein Modell der Badner Bahn, ein Stereoskop mit 3-D-Fotografien um 1900, den Zustand des frühen Strandbads.