JÜDISCHES BADEN (hier als Download)

Synagoge Baden, Grabengasse 14, um 1928
Synagoge Baden, Glasnegativ Stadtarchiv

 

 

 

 

 

 

Das Stadtarchiv verwahrt bedeutende Dokumente zur Geschichte des jüdischen Badens und ist um weitere wissenschaftliche Aufarbeitung bemüht.

Bis 1938 war die Jüdische Gemeinde Baden die drittgrößte Österreichs. Die Struktur war zu diesem Zeitpunkt sehr komplex: während ein Teil der jüdischen Bevölkerung – sowohl orthodoxe als auch liberale Juden und Jüdinnen – im 19. Jahrhundert einen neuen Wohnort in Baden fand, hielten sich Kur- bzw. Sommergäste für unterschiedlich lange Zeiträume in der Stadt auf. Nicht alle waren mosaischen Glaubens, wurden aber nach den Kriterien der „Nürnberger Rassegesetze“ als jüdisch bezeichnet. In Baden wurden jüdische Gäste aus wirtschaftlichen Gründen im Jahr 1938 länger geduldet als in anderen Gemeinden.

Seit mehreren Jahrzehnten widmen sich Einzelprojekte der Aufarbeitung der jüdischen Bevölkerung Badens und ihrer Schicksale. Der Abriss der Synagogenreste in der Grabengasse konnte 1988 verhindert werden. Im Jahr 2005 wurde die Synagoge nach Sanierung und Umgestaltung wieder eröffnet. Über die jüdische Gemeinde und einzelne Personen oder Personengruppen ist in Zusammenhang damit seitdem verstärkt geforscht und publiziert worden.

In Folge wurden unterschiedlichste Verzeichnisse veröffentlicht, die unter Verwendung und Auswertung historischer Akten Gruppen der jüdischen Bevölkerung erfassen. Außerdem befinden sich im Stadtarchiv Baden zahlreiches nur teilweise aufgearbeitetes Quellenmaterial bzw. Archivalien, die erst in jüngerer Vergangenheit aufgefunden und erschlossen wurde.

Im Jahr 2023 erhielt das Stadtarchiv eine Schenkung Bild- und Dokumentationsmaterial zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Baden und deren ehemaliger Mitglieder (Sammlung Schärf / Schenkung Grossinger). Neben umfangreichem Bildmaterial sowie Schriftstücken und Dokumenten umfasst die Schenkung auch Tondokumente von Interviews mit ehemaligen Mitgliedern der Israelitischen Kultusgemeinde Baden, aufgenommen überwiegend in der Zeit zwischen 1988 und 1993 sowie Material zum überkonfessionellen Verein AMOS, der sich für den Erhalt und die Wiederbelebung der Badener Synagoge einsetzte.

Längerfristig ist angedacht, eine datenbankbasierte und öffentlich zugängliche Plattform zur Dokumentation der Personen, die von 1938 bis 1945 in der Stadt Baden nach den „Nürnberger Rassegesetzen“ als Jüdinnen und Juden verfolgt wurden, zu erstellen, und so der im Nationalsozialismus vernichteten jüdischen Bevölkerung Badens zu erinnern.

Das Stadtarchiv unterstützt gerne bei Forschungsanliegen und der Personensuche. Die Archivalien des Stadtarchivs können nach Terminvereinbarung eingesehen werden. Anfragen bitte an stadtarchiv@baden.gv.at


Beispiele der im Stadtarchiv Baden vorhandenen Quellenmaterialien:

  • Diverse Verzeichnisse (Signatur: StAB GB 052 K14):

Liste jüdischer Sommerwohnungen, Listen jüdischer Häuser inkl. Verwalter, Liste mit Arisierungsansuchen, Verzeichnisse der in Baden gemeldeten Juden,…

  • Arisierungsakten – nach Adressen geordnet (Signatur: StAB GB 052 K13)
  • Meldezettelarchiv
  • Sammlung Schärf / Schenkung Grossinger (Signatur: StAB Dok Se SG):

Bild- und Dokumentationsmaterial zur Geschichte der Israelitischen Kultusgemeinde Baden und derer ehemaliger Mitglieder

  • Vereinsarchiv Amos (Signatur: StAB Dok V Am)

Literatur
Hans Meissner, Kornelius Fleischmann, Die Juden von Baden und ihr Friedhof, 2002 (Auflistung Schicksale Badener Juden bzw. Jüdische Geschäfte und Gewerbetreibende in Baden)

Thomas E. Schärf, Jüdisches Leben in Baden, 2005:  Hauseigentümerverzeichnis (466 Einträge) und Liste der jüdischen Handwerker, Gewerbetreibenden und freien Berufe im Sprengel der Israelitischen Kultusgemeinde zum Stichtag 13. März 1938 (171 Einträge) in der Publikation.

Jewish History Baden: https://www.jewishhistorybaden.com/people (ca 400 Personen)

Robert Streibel, Lexikon der Badener Juden nach den Unterlagen des Niederösterreichischen Landesarchivs, Ausdruck 2007 (circa 400 – 500 Einträge)

Sonja Wellenhofer, Rudolf Maurer, S wie „Schädling“, Katalogblatt  Nr. 74 des Rollettmuseums, 2008

Projekt des Stadtarchivs Baden „Die weibliche jüdische Bevölkerung Badens 1913 – 1943“, durchgeführt 2014 bis 2017. (5256 Personen)

Elie Rosen, Jüdische Baden. Entdeckungsreisen, Spurensuche, Stadtwanderungen, 2022

Elie Rosen, Im Tod liegt die Unendlichkeit. Der jüdische Friedhof in Baden  bei Wien, 2023.

Weitere Quellen:
Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer: https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Jewish Genealogy https://www.jewishgen.org/

Arolsen Archives International Center on Nazi Persecution https://arolsen-archives.org/suchen-erkunden/suche-online-archiv/

Forschungsergebnisse von Dr. Wolf Erich Eckstein und DI Georg Gaugusch

https://www.ehri-project.eu/ (European Holocaust Research Infrastructure)